1. HESSENTAGSMARATHON OBERURSEL, 13. Juni 2011
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AUFBAUKÄMPFE
Bienwald-Marathon, 13.3.11
Rotterdam-Marathon, 10.4.11
Mainz-Marathon, 8.5.11
STRECKE ¤ VORBEREITUNG ¤ MARATHON ¤ STATISTIK ¤ BILDER
Einmal und nie wieder
 
 
Nach dem letztjährigen Brunnenfestlauf hatten die Ausrichter der TSG Oberursel durchsickern lassen, 2011 keinen Halbmarathon, dafür aber einen auf Einmaligkeit angelegten Marathonlauf. Oberursel war Gastgeberin des 51. Hessentags, und neben den Konzerten von 10cc, Steve Harley & Cockney Rebel, Scorpions und Linkin Park sollte der Marathon einer der Höhepunkte werden. Als Reklameikone war Joey Kelly in der Taunusstadt angereist. Der Ultrasportler aus der musikalischen Großfamilie warb für den Lauf, lief den Marathon, und war später auch noch bei den Ehrungen. Unter den Sponsorenpreisen war eine viertägige Reise mit Kelly zum Florenz-Marathon 2011. Die Marathonsieger wurden mit einer viertägigen Reise zum Antalya-Marathon 2012 belohnt. - Zwei Wochen vorm Start zwang der große Andrang die Planer zu einer Begrenzung der Startplätze. Um die Durchführung nicht zu gefährten, wurden die Felder limitiert: Halbmarathon 1000 Teilnehmer, Marathon 400 Teilnehmer, Marathonstaffel 80 Staffeln. Eine Woche vorm Startschuß waren der Halbmarathon und die Staffeln ausgebucht. Aber der Lauf im Speckgürtel Frankfurts war kein Vergnügen!
 
.:: DIE STRECKE ::.
Die Nähe zum Großen Feldberg (879 Meter) wirkte sich auf das Profil aus. Drei leichte und vier mittlere Anstiege im Verbund mit der Jahreszeit machten den Kurs zu einem äußerst anspruchsvollen. Der Start erfolgte auf dem Oberurseler Marktplatz. Nach einer Runde durch die Stadtmitte mit dem Hessentagsgelände ging es in den Stadtwald, vorbei an der Hohe Mark, weiter nach Oberstedten, zur historischen Tannenwaldallee, vorbei am Gotischen Haus wieder in den Wald und nach dem Stadtpark Maasgrund dann auf die zweite Runde. Das Ziel lag in der Schillerstraße. Pro Runde ergaben sich 265 Höhenmeter, für den Marathon mußten rund 530 Höhenmeter bezwungen werden. Eine frühe Startzeit sollte die Wärme mildern, ferner spendete der Wald Schatten. Für das Rahmenprogramm sorgten die Aktivitäten des größten deutschen Landesfestes.
 
.:: DIE VORBEREITUNG ::.
Oberursel war für mich eine weitere ungeplante Verlängerung der Kämpfe von KANDEL (März), ROTTERDAM (April) und MAINZ (Mai). Oberursel dazugenommen, sahen meine 16 TRAININGSWOCHEN vom 21. Februar bis 13. Juni 2011 danach so aus:
 
01. Wo. (150 km): Training
02. Wo. (130 km): Direkte Wettkampfvorbereitung
03. Wo. 0(98 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - BIENWALD-MARATHON (33. in 2:57:02)
04. Wo. (100 km): Wiederherstellung
05. Wo. (140 km): Wiederherstellung und Training
06. Wo. (130 km): Direkte Wettkampfvorbereitung
07. Wo. 0(91 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - ROTTERDAM-MARATHON (332. in 2:56:40)
08. Wo. 0(76 km): Wiederherstellung
09. Wo. (100 km): Wiederherstellung und Training
10. Wo. (133 km): Direkte Wettkampfvorbereitung
11. Wo.
0(93 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - MAINZ-MARATHON (30. in 2:58:50)
12. Wo.
0(81 km): Aktive Erholung
13. Wo. (114 km): Wiederherstellung
14. Wo. (135 km): Wiederherstellung und Training
15. Wo. (131 km): Training
16. Wo.
0(74 km): Direkte Wettkampfvorbereitung - HESSENTAGS-MARATHON (Aufgabe)
Gesamt: 1776 km
 
Die bestrittenen AUFBAUKÄMPFE (Klick auf das jeweilige Veranstaltungssymbol öffnet den Laufbericht):
 
36. BIENWALD-MARATHON KANDEL,
13.3.11
 
31. ROTTERDAM-MARATHON,
10.4.11
 
12. MAINZ-MARATHON,
8.5.11
 
.:: DAS RENNEN ::.
 
1. DIMENSION DATA HESSENTAGSMARATHON OBERURSEL,
13. Juni 2011
Erstaustragung in Oberursel. Ich war dabei. Aber ich habe das Ziel nicht erreicht. Ich habe nach zwei Kilometern aufgegeben! Wie kam es dazu? - - Nachdem ich vor fünf Wochen Mainz gerade noch mal überlebt hatte, und wunde Sehnen und Gelenke fortan meine Wegbegleiter waren, schien eine weitere Glanztat von vornherein unterbunden. Andererseits fühlte ich mich in den Muskeln zu stark und im Kopf zu überlegen, um bloß »dabei zu sein«. Unter die ersten Zehn wollte ich! Partnerin Peanut war für die Marathonstrecke nicht mehr trainiert. Nachdem unsere Absicht, die 42 Kilometer als »große Wanderung« in einer Staffel am fehlenden vierten Mann gescheitert war, hatten wir uns am 31. Mai (letzter Drücker!) angemeldet: Peanut zum Halbmarathon, ich für die Langstrecke. 13 Tage vorm Kampf hatte ich eine Bahneinheit auf Asche absolviert. Anderntags drückte das linke Sprunggelenk und die Achillessehne. Durch Reduktion und einen guten Heilkörper würde ich die Probleme aber in den Griff kriegen. Hoffte ich. Und manchmal war ich auch fast schmerzfrei!
 
Pfingstsonntag, den 12. Juni...
 
... hatten wir uns 16 Uhr an der neuen Sporthalle der Grundschule Mitte in Oberursel zum »Check-In« (Nummernausgabe) eingefunden. Um 16.05 Uhr hielt ich als Zweiter überhaupt das weiße Lätzchen in der Hand. Zur Startnummer hatte das »Unternehmen Leben« jedem Marathonläufer auch ein Handtuch spendiert. Die Teilnehmer der Halbdistanz und Staffeln mußten sich mit den vier Nadeln zur Nummer begnügen. Obwohl das Anmeldeprozedere und der Mob des Hessentags rasch durchgestanden waren, waren meine Schmerzen am Abend zurückgekehrt und hatten sich noch dramatisch verstärkt. Zwölf Stunden vorm Start war mein Marathon zum Scheitern verdammt. Zu der Zeit hatte sich auf dem Flugplatz Reichelsheim in der Wetterau auch ein Luftschiff-Unglück ereignet: Ein beim Hessentag gestarteter Zeppelin hatte im Landeanflug Feuer gefangen. Während sich die Passagiere - drei Journalisten - retten konnten, war der Pilot verbrannt. Der Reifenhersteller Goodyear hatte daraufhin alle Reklameflüge und Veranstaltungen beim Hessentag abgeblasen. Welch ein Omen! In der Hoffnung, das Adrenalin des Wettkampfs würde alles Leid kaschieren, bin ich um 23 Uhr ins Bett. Vier Stunden später war ich wach...
Brunnen St. Ursula
(© Vitus)
Zum MARATHON - Pfingstmontag, 13. Juni 2011...
 
... ein weiterer großer Tag. Der vierte in 17 Wochen für mich. Diesmal fast vor der Haustür. Nach acht S-Bahn- und zwanzig Gehminuten waren wir von Rödelheim aus kurz vor 7 Uhr im Veranstaltungszentrum eingetroffen. Die Morgenstunde machte es möglich, ohne Gedrängel durchs Hessentagsgelände zu kommen. Noch unbefleckte Plumpsklos wurden gerade herbeigekarrt, und nach einer letzten Erleichterung stand ich um 7.55 Uhr auf dem Markt zum Start bereit. Fast ideal gab sich das Äußere. Es nieselte, die Temperaturen lagen bei 18 Grad, dazu war es fast windstill. Nach letzten Befragungen Joey Kellys durch den Sprecher fiel um 8 Uhr der Schuß...
 
Kilometer 0 bis 2
 
»Orschel« lag noch in den Federn, als sich 340 Marathon- und 80 Staffelläufer auf die Socken durch den Taunus machten. START zum 1. Hessentagsmarathon! Frei waren sie, die Gassen und Gewinkel, wo Stunden später das Gewühle der Hunderttausende zwischen Bier, Kitsch und Gegrilltem herrschen würde. Tausend Programmpunkte bot das »Fest aller Hessen«. Das alles interessierte mich jedoch nicht, nur die Signale aus dem Körper. Und die verhießen nichts Gutes. Schon auf dem ersten Kilometer hätte ich den Ausweg von der Feldbergstraße zum Bahnhof nehmen sollen, nein, müssen! Im ersten Dutzend war ich, 3:55 Minuten hatte ich für die ersten tausend Meter gebraucht. Doch gleich mit dem ersten Anstieg in der Füllerstraße waren die Schmerzen unmenschlich geworden. Gelenk und Sehne waren hinüber, dazu kamen Stiche in der Wade. Nach einem Trab in großer Schmach durch die Menge hinterm Markt mußte ich verletzt aufgeben. Um 8.08 Uhr - nach zwei Kilometern in 8:28 Minuten - war Schluß. Der Rückweg humpelnd durch die Zuschauer zur Umkleide in der Grundschule war fürchterlich. Peanut, die mich noch zum Start begleitet hatte, und sich nun ihrerseits für den Halbmarathon präpariete, fiel aus allen Wolken, als ich dort auftauchte. Aber zumindest hatte ich keine Staffel mit ins Verderben gerissen!
 
Um 9.15 Uhr erfolgte auf dem Markt der START des Halbmarathons. Zum Wettkampf möchte sich meine Freundin nicht äußern. »Es war knackig, es standen kaum Menschen an der Strecke, es gab nichts zu essen und die Eigenverpflegung war nur über einen Umweg zu erreichen, aber die Strecke war durch Helfer gut abgesteckt und der rechte Weg nicht zu verfehlen.« Derweil sich Peanut umringt von tausend anderen über die Hänge des Taunus und durchs grüne Nirgendwo schindete, war für mich um 10 auf dem Hof der Grundschule der erste Liter Apfelwein versenkt. Und es war wie eine Fata Morgana, als Peanut das ZIEL um 11.15 Uhr - als 63. Frau nach 1:59:49 Std. - erreichte! Das hätte ich ihr nie im Leben zugetraut. Diese Leistung überstrahlte den ganzen Tag!
 
Absahner beim Halbmarathon war eine Horde Berufsläufer aus Kenia, die erst eine halbe Stunde vorm Start in Zivil und mit ihrem Manager in Oberursel eintraf. Später durfte ich drei von ihnen beim Posieren unter einem Kruzifix ablichten. Der Erste der Männer hieß Kemboi, die erste Frau Cheboi. - Den Marathonlauf gewann der Mainfranke Hegmann in beachtlichen 2:39:27 Stunden. Joey Kelly kam als 44. nach 3:29:44 ins Ziel. Nur sechs knackten die Drei-Stunden-Barriere.
 
Ein FAZIT...
 
Die Strecke kenne ich nur vom Halbmarathon 2010, und die Organisation war - wenngleich bei einer Meldegebühr von 32 Euro aufs Nötigste beschränkt - in Ordnung. Viele der 250 Helfer wirkten unerfahren und linkisch, doch man war hilfsbereit. Allen voran Chef Sören Scheffler, der selber unentwegt Einsatz an der Front leistete. Wer wollte, konnte Eigenverpflegung an die Tische fahren lassen. Die Wirkung der Ereignisse war in Orschel schon immer etwas anders. Wo sonst werden nur die ersten Zwei (nicht jedoch der Dritte!!) geehrt? Von »Marathon« zu reden ist etwas hochtrabend. Dazu war der sportliche Wert zu gering. Seine Ausstrahlung bezog die Veransaltung durch eine gewisse Urigkeit und die Nähe zur Natur. Das Remmidemmi des Hessentags setzte erst ein, als alle Wettbewerbe beendet waren. Dann allerdings umso stärker. Allein am Pfingstmontag walzten sich 215
 000 durch die Altstadt. Die waren jedoch nicht für den Sport, sondern zur Belustigung gekommen. Ein Dank an Herrn Dorsch vom Team Endzeit für die händische Einpflegung eines Arbeitsnachweises. Hinter meinem Namen prangte nun ein »DNF« (Did Not Finish - aufgegeben) in der Ergebnisliste. Für die Materialinteressierten: Peanut lief mit Asics Gel-3010, ich trat mit Adidas adiZero CS aus dem Jahre 2008 an.
Der Kampf in einer BILDERTAFEL... anklicken............
Siegerehrung und Abschlußfeier
 
Ab 14 Uhr wurden auf der »Cook-Bühne« in der Bleiche die Helden und die Gewinner der Gönnerpreise gewürdigt. Anwesend waren u.a. ein Vertreter des Hauptmäzens, das Hessentagspaar und der einer Nutte gleich herumgereichte Ex-Gitarrist der Kelly Family. Ausgerechnet ich hatte bei der Verlosung
zwei Freikarten eines Wellnessanbieters für einen Tag im Heaven Spa hoch über Frankfurt abgestaubt. Der Ort der Ehrung war uns nicht bekannt, weshalb wir uns auf die Bühne am Marktplatz - wo immer der Brunnenlauf sein Ende findet - begeben hatten. Mit dem Leib voller Energie, die eigentlich für den Marathon bestimmt war, aber kein Ventil fand, dazu Unmengen Schmerz und Frust, hab ich mit Peanut am falschen Ort einen Kübel Bier niedergemacht. Nachdem wir noch zwei frühere Kollegen getroffen hatten, war der Hessentag für uns am Nachmittag des Pfingstmontag Geschichte.
 
Oberursel war S e l b s t z e r s t ö r u n g mit System - aber auch eine V o r s e h u n g, die Schlimmeres verhinderte.
 
 
Kampfläufer Vitus, 16. Juni 2011
 
.:: ZAHLEN UND ZEITEN ::.
Wetter: Sonne und Wolken, 18 bis 22ºC, schwacher Wind
Zuschauer: 215
 000 (Hessentagsbesucher am Pfingstmontag)
 
Gesamtteilnehmer
Gemeldet:
1660 (Marathon, Halbmarathon, Staffeln)
Am Start: über 1700 (Ausrichterangabe)
Im Ziel:
1500
 
Marathonläufer
Gemeldet:
340 (M: 287 / W: 53)
Im Ziel: 294 (M: 246 / W: 48)
 
Halbmarathonläufer
Gemeldet:
1000 (M: 704 / W: 296)
Im Ziel:
890 (M: 626 / W: 264)
 
Männer
1. Tobias Hegmann (TSG Kleinostheim) 2:39:27
2. Marco Diehl (DVAG-Marathon-Team) 2:43:06
3. Rene Strosny (Bautzener LV) 2:47:18
4. Eric Le Mercier (LG Brechen) 2:51:05
5. Christian Spaich (TSG Oberursel) 2:54:00
6. Volker Kratschmann (Ettlingen) 2:55:55
 
Frauen
1. Astrid Staubach (LG Vogelsberg) 3:19:42
2. Prisca Lepper-Schwarzer (RFC Oberstedten) 3:23:04
3. Renate Henrich (Offenbach) 3:27:43
4. Sybille Werner (Bad Soden) 3:27:49
5. Claudia Lauer (Team Feldberghof) 3:39:19
6. Kirsten Aalling (Bio Runner Rhein-Main) 3:41:05
 
Kampfläufer Vitus (Spiridon Frankfurt) - Marathon
Startnummer: 213
Zeit: aufg.
 
Peanut (Spiridon Frankfurt) - Halbmarathon
Startnummer:
2678
Zeit: 1:59:49
Platz: 63 von 296 bei den Frauen
Platz: 11 in Klasse W45
 
Ergebnisse
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